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Drittes Millenium

Die Orchideen Österreichs im 3. Millennium

Öffentliches Monitoring durch ehrenamtliche Mitglieder des Österreichischen Orchideenschutz-Netzwerks (ÖON)

 
Orchideen repräsentieren die größte Familie innerhalb der einkeimblättrigen Pflanzen, und sie sind, was die Anzahl der Arten anbetrifft, auch die größte  Blütenpflanzenfamilie (geschätzt 25,000-30.000 Arten). Sie repräsentieren etwa 10% aller Blütenpflanzen. Sie faszinieren die Wissenschaftler aufgrund der Tatsache, dass es kaum fossile Funde gibt und die Forschung - bis vielleicht vor kurzem - unzureichend war. Die globale Verbreitung, speziell auch das Vorkommen an unzugänglichen, tropischen Standorten hat die intensive Erforschung der Arten bislang behindert. Die Wissenschaft hat sich basierend auf ausschließlich morphologischen Kriterien bisher auf eher beschreibende Einordnung und Klassifikation beschränkt. Der Artenschwund weltweit wird das Aufdecken vieler Geheimnisse der Orchideen begrenzen oder verhindern.
Orchideen bezaubern mehr als andere Pflanzenarten auch Laien und Nicht-Fachbotaniker, wobei überwiegend ästhetische Gründe für das Interesse ausschlaggebend sind. Die Faszination wird nicht nur bei den mehr auffälligen Arten in unseren Breiten verständlich, sondern bei näherer Betrachtung auch bei eher unscheinbaren Spezies. Die zum großen Teil von Menschen bedingte Seltenheit vieler Orchideenarten erhöht den Reiz der Orchideen. Die vielfältige Begeisterung zeigt sich in einer umfangreichen Literatur. Es gibt eine ganze Reihe von hervorragend illustrierten Bestimmungsbücher und Bildbänden über die Orchideen Mitteleuropas.  
Cypripedium, Liparis

Leider haben es in Österreich nur der Frauenschuh (Cypripedium calceolus, links im Bild) und das Torfglanzkraut (Liparis loeselii, rechts im Bild) auf die EU (Natura 2000) - Liste der Arten geschafft, die vorrangig zu schützen sind und deren Bestandesentwicklung zu beobachten ist. Nachträglich wurde noch die adriatische Riemenzunge (Himantoglossum adriaticum) eingereicht. Die Österreichische Regierung hat es bislang versäumt, einen größeren Input zu leisten, was Pflanzenarten der Roten Liste anbetrifft. Man könnte mithin das Projekt, um das  hier geht, als letzte große Chance betrachten, das Artensterben auch in Österreich zu begrenzen. Von besonderem Interesse sind hier die Arten der Wiesen und Weiden der Kulturlandschaft. Sie haben vorrangige Bedeutung. Diese Standorte sind besonders artenreich, was Orchideen und andere vom Aussterben bedrohte Arten anbetrifft. Als Sekundärbiotope unterliegen sie einer Vielzahl von Gefährdungen, die auf der einen Seite durch Änderungen oder Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung oder auf der anderen Seite durch deren gänzliche Zweckentfremdung bedingt sind. 

Für die Zukunft der derzeit 62 Orchideen-Arten in Österreich erhebt sich die grundliegende Frage, wie der Trend der Entwicklung der Populationen verläuft. Es gab zwar wichtige und anerkennungswerte Kartierungen von Orchideen-Arten in einigen Ländern Österreichs, nur repräsentieren die ein statisches Bild eines Ist-Zustandes in der Vergangenheit. Das reicht nicht aus, um den Bestand und das Überleben Zukunft zu sichern. Das Monitoring von Orchideen Österreichweit über die nächsten Jahre hinweg sollte Bestandesänderungen und möglicherweise auch die Ursachen für einen Artenschwund aufdecken, um dann die Grundlage für effektive Naturschutzmaßnahmen zu liefern.

 

Für die vier grundsätzlichen Habitatgruppen 

• Trocken-, Habtrocken- und Magerrasen, 

• Feucht-, Naßwiesen und Quell-fluren, Flachmoore, Schotterfluren an Ufern,

• Laubwälder, Nadelwälder, Nadelmischwälder, Pionier (Vor)-Wälder, Gebüsch,

• Alpine Rasengesellschaften, Gebirgslebensräume oberhalb der Waldgrenze,

benötigen wir Freiwillige, die Flächen betreuen. Es kann sich jeder den Standort aussuchen, der ihm am besten paßt, den er kennt und der möglichst nahe bei seinem Wohnort liegt. Wir können dabei aber Hilfestellung leisten. Wir vermitteln auch Orchideenwuchsorte, wenn Sie selber keine kennen. Die Anzahl der zu betreuenden Habitate (eines oder mehr) ist jedem selber überlassen. Wer mehr Angaben liefern möchte, kann das tun.

 

Dies ist zu tun:

• Orchideen-Standort(e) einmal pro Jahr aufsuchen, wenn möglich zur Blütezeit;

• Orchideen zählen - einmal pro Jahr, für die kommenden 5 (oder mehr) Jahre;

• Daten auf Erfassungsbogen eintragen, den Sie von uns erhalten;

• Weitere wichtige Fragen des Datenblatts beantworten;

• Das Blatt an uns schicken.

 

Der Zeitaufwand beträgt also nicht mehr als ein paar Stunden pro Jahr.

Wenn Sie mitmachen wollen, eine kurze Mitteilung schicken an (oder rufen Sie an):

Dr. Dieter Armerding, Österreichisches Orchideenschutz Netzwerk (ÖON)

Donaustr. 73

A-Höflein a.d. Donau

E-Mail: dieter-armerding@aon.at

Telefon:   02243 – 80 680

 

Sie erhalten dann weitere Unterlagen und im Frühjahr das Datenblatt per E-Mail oder per Post. Für weitere Informationen und Fragen stehen wir jederzeit zur Verfügung. Wenn Sie bereits wissen, wie viele Standorte Sie betreuen wollen, wo diese liegen und welche Arten dort gedeihen, wären es hilfreich, wenn Sie diese Informationen bereits jetzt an uns weiterleiten. Alle Angaben werden absolut vertraulich behandelt. Keine Weitergabe von Standortsinformationen!

Für das Projekt sind verantwortlich:  

  1. Aufbau, Organisation, Datenerfassung des ÖON =  Dr. Dieter Armerding, Präsident des Vereins.
  2. Errichtung einer Österreichweiten Datenbank= Josef Pennerstorfer M.Sc., Univ. Prof. Dr. Monika Kriechbaum, Dr. Dieter Armerding.
  3. Die Aufbauphase des Monitoringprojekts im Jahr 2007 wurde vom  Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (=Lebensministerium) finanziert.
  4. Als Fachberater unterstützen den ÖON folgende Universitäts-Professoren: Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr, Univ. Prof. Dr. Wolfgang Holzner, Univ. Prof. Dr. Hannes Paulus, Univ. Prof. Dr. Rudolf Maier, Univ. Prof. Dr. Manfred Fischer.
  5. Kooperationspartner des ÖON sind: Birdlife Österreich, Naturschutzbund Österreich, ARGE Naturschutz Kärnten, WWF Österreich, Österreichische  Orchideen Gesellschaft, die AHOs Deutschlands und weitere NGOs., sowie die Österreichischen Bundesforste. Wir sind dabei, Kooperationen mit den einschlägigen Abteilungen der Landesregierungen Österreichs, den Nationalpark-Verwaltungen und  den Natura 2000 Management-Büros aufzubauen.
  6. Das ÖON wird sich in den nächsten Jahren bemühen, Vorträge zu einschlägigen Themen und Exkursionen zu Orchideenstandorten anzubieten. Tätigkeitsberichte sollen regelmässig erscheinen. 

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