Ophrys von Istrien und Dalamatien
Begleitender Text

Die Karte stammt von Jan Moshage/ Ulm; www.travelbilder.de
Ophrys apifera Hudson
Dies ist unsere Bienenragwurz, die praktisch im gesamten Mittelmeerraum und in weiten Teilen Mitteleuropas, auch in Österreich, verbreitet ist. Sie wurde erstmals 1762 aus England beschrieben. In Dalmatien und Istrien gehört sie zu den häufigeren Erscheinungen unter den Orchideen. Sie ist autogam, d.h. sie ist nicht auf ein bestäubendes Insekt angewiesen.
Die stattliche, an sich unverwechselbare Pflanze tritt in einer Reihe von Varianten auf, die aber im Rahmen dieses Beitrags nicht besprochen werden können. Blütezeit von Ende April-Juni.
Ophrys araneola Rchb.:
Diese sehr kleinblütige, frühblühende und relativ robuste Ophrys kommt von Frankreich -im Norden bis nach Belgien ausstrahlend- übeer Italien bis ins mittlere Dalmatien vor, wobei sich im Osten die taxonomischen Grenzen zu anderen frühblühenden Formen der O.sphegodes Gruppe wie z.B. O. tommasinii, O. liburnica, O. archipelagi sehr zu vermischen scheinen. Damit wird eine genaue Bestimmung sehr erschwert. Der Bestäuber der dalmatinischen Vorkommen ist anscheinend noch nicht bekannt.
Die Pflanze erreicht eine Höhe von 35 cm, der Blütenstand ist dicht bis leicht gestreckt. Das Perigon ist grünlich, die meist ganzrandige oder höchstens schwach gehöckerte Lippe 7-10 mm lang und oft gelb gerandet. Blütezeit März bis April.
Ophrys archipelagi Gölz & H.R. Reinhard:
Diese ursprünglich aus der Insel Korćula in Dalmatien beschriebene, sehr frühblühende und robuste, bis 60 cm hohe Pflanze kommt auch in Mittel- Süditalien vor. Nach heutiger Kenntnis erstreckt sich das Verbreitungsareal von Süddalmatien bis in den Raum von Zadar und den benachbarten Inseln. Der Bestäuber ist die Sandbiene Colletes cunicullarius.
Die Sepalen variieren von grünlich bis weißlich mit oft grünlichen Mitteladern , wobei die untere Hälfte der lateralen Sepalen rötlich angehaucht sein kann. Die langgestreckten Petalen sind meist dunkler bis bräunlich gefärbt. Das Mal der bis 19 mm langen, ganzrandigen und am Rand stärker behaarten Blütenlippe ist relativ komplex und variabel, nicht H-förmig. Insgesamt erscheint eine Bestimmung auf Grund der oft am selben Standort auftretenden Übergänge zu O. araneola , O. liburnica und O. tommasinii schwierig. Blütezeit: März bis April.
Ophrys bertolonii Moretti:
Diese attraktive, robuste und bis 35 cm hohe Art ist zentral-meditteranen Ursprungs. Sie kommt von Istrien und entlang der gesamten dalmatinischen Inselkette vor, bis hinunter nach Corfu. Die Bestäuber sind die großen, dunkel gefärbten Bienen-Männchen von Chalicodoma parietina (Megachilidae). Die begattungsbereiten Weibchen dieser Bienen pflegen ihren Hinterleib noch oben zu biegen, um die Männchen anzulocken. Es erscheint daher absolut plausibel, dass diese Ophrysblüten, die ja die Weibchen sehr wirkungsvoll imitieren, im Laufe der Evolution ihre Blütenlippe ebenfalls gekrümmt haben.
Die Blüten sind relativ groß, das Perigon praktisch immer lila-violett angehaucht. Die dicht behaarte, große (bis 19 mm) Lippe ist fast schwarz und im unteren Mittelfeld mit einem leuchtenden, mehr oder minder ovalem Spiegel ausgestattet, der sicher auch für die Anlockung der Bestäuber-Männchen eine große Rolle spielt. Eine Verwechslung mit anderen Ophrys-Sippen in Dalmatien ist nicht möglich. Blütezeit: Mitte März bis Mai.
Ophrys biscutella O&E Danesch:
Diese interessante Spezies mit Verbreitungsschwerpunkt an der süditalienischen Seite der Adria wurde in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelt in Korćula und bei Split beobachtet, von uns zuletzt Mitte März 2008 auf der Insel Lastovo in Küstennähe direkt am Straßenrand. Sie scheint sich in Dalmatien aber nicht so recht wohl zu fühlen. Sie ist relativ robust und erreicht in Dalmatien kaum mehr als 30cm Höhe mit nur wenigen Blüten. Als Bestäuber wird Anthophora retusa (Anthophoridae) angegeben (ob in Dalmatien vorkommend?).
Die Blüten sind relativ groß mit einem meist rosa-violett überhauchten Perigon. Charakteristisch ist ist die breit bauchige, nach unten spitz zulaufende und am Rande dicht behaarte, bis 20mm lange, dunkelbraune Lippe mit einem mehr oder minder deutlichen Brillenmal. Eine Verwechslung ist nicht möglich. Blütezeit: Mitte März bis Mai.
Ophrys bombyliflora Link:
Diese kleine und auf den ersten Blick unscheinbare Pflanze erreicht eine Höhe von ca 25 cm und kommt von den Kanarischen Inseln bis in die Türkei vor. In Kroatien hat sie ausgesprochene Verbreitungslücken. Während sie in Teilen Istriens ausgesprochen häufig ist, konnten wir sie weiter südlich nur im Neretva Delta an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina finden. Ihre Blütenerscheinung ist wohl die konstanteste der gesamten Orchideengattung. Die Tatsache, dass sie von verschiedenen Langhornbienen der Gattung Eucera bestäubt wird, mag zu ihrem ökologischen Erfolg beigetragen haben, obwohl sie gerade deshalb eine höhere Wahrscheinlichkeit, Hybriden zu bilden, in Kauf nehmen muss. Dies ist natürlich eine Herausforderung für den Orchideenfotografen.
Die grünen Sepalen der mit wenigen, kleinen Blüten ausgestatteten Pflanzen sind oval-rundlich, die an den Höckern behaarte, eintönig braun gefärbte, ebenfalls rundlich-bauchige Lippe mit undeutlicher Malzeichnung erreicht Ausmaße von 8-10 x 11-13 mm. Blütezeit in Dalmatien April, in Istrien Mai.
Ophrys cephalonica (B&H Baumann) J.Devillers-Terschuren&P.Devillers:
Diese hochwüchsige Ophrys kann ohne weiteres 50 cm mit über 10 locker aneinander gereihten Blüten mittlerer Größe erreichen. Sie hat ihren Verbreitungsschwerpunkt auf der ionischen Insel Kephalonia und erreicht über Albanien die Provinz Konavle südlich von Dubrovnik als nördliche Grenze. Dort fühlt sie sich in Zypressenwäldchen in der Nähe von Friedhöfen besonders wohl. Ob sie auch in Italien vorkommt ist uns nicht bekannt. Genetisch ist sie dem O. sphegodes-exaltata Komplex zuzuordnen. Ein Bestäuber ist uns nicht bekannt.
Das Blütenperigon ist günlich, aufrecht und mit langgestreckten Petalen. Die kaum gehöckerte, am Rande behaarte Lippe ist 12 – 15 x 7-10 mm groß, mit einem mehr oder minder verzerrtem H-ähnlichen weiß-umrandeten Mal. Anhängsel kaum vorhanden . Das Basalfeld hat immer dieselbe Farbe wie die der Lippe. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu der fast gleichzeitig auftretenden O. montenegrina. Blütezeit: Ende März bis Ende April.
Ophrys dinarica R.Kranjcev&P.Delforge:
Diese prächtige , mehrblütige und bis 60 cm hohe Pflanze wurde 2004 erstmals aus dem Hinterland von Split und Knin in Höhenlagen von 400-800 m beschrieben, scheint aber auch, zumindest in ähnlicher Form in Apulien vorzukommen. Sie ist also dem submediterranen Klimagürtel Kroatiens zuzuordnen. Sie kommt auf Kalk- und Flysch-Böden vor und zieht freie Sonnenbestrahlung neben lockeren Sträuchern vor. Ein Bestäuber ist noch nicht bekannt. Es gibt verschiedene Spekulationen über den Ürsprung, dieser interessanten Ophrys : einerseits kommt theoretisch eine Verwandtschaft mit O.heldreichi aus Kreta in Frage, anderseits ist ein Zusammenhang mit O. apulica nicht auszuschließen, O. pharia, ein hier nicht abgebildeter Lokalendemit der Insel Hvar, könnte ein Zwischenglied sein.
Das Blütenperigon ist immer hell bis dunkel-violett, die mäßig gehöckerten Lippen sind bis 18mm lang und am Rande stärker behaart. Das Mal ist ausgesprochen vielgestaltig, das gelb-umrandete Basalfeld weist meist in der Mitte einen Einschnitt auf und kann sogar zweigeteilt sein. Blütezeit recht spät: Ende Mai-Mitte Juni.
Ophrys flavicans Visiani:
Diese ausgesprochen frühblühende, zierliche Ophrys ist ein echter Endemit hauptsächlich des Festlands Mitteldalmatiens zwischen Zadar und Split. Mit 3 – 5 ziemlich kleinen Blüten erreicht sie selten eine Höhe von mehr als 25 cm und kommt praktisch ausschließlich in Küstennähe auf kalkreicher Unterlage vor. Das Perigon ist leuchtend lila- violett gefärbt und schon von weitem auszumachen; die dunke, ganzrandige, pelzig behaarte Lippe misst nur 8-11 mm und ist im Gegensatz zu O. bertolonii flach und nicht nach oben gebogen. Charakterisisch ist der meist weiß umrandete Spiegel im unteren Mittelfeld. Auffällig ist die recht wenig variable Blütenerscheinung und die Tatsache, dass praktisch nie Hybriden mit anderen Ophrys spp., höchstens ganz selten mit O. incubacea, gebildet werden. Dies deutet darauf hin, dass O. flavicans eine phylogenetisch alte Species im Gegensatz zu O. bertolonii darstellt. Beide Arten konnten wir auch wegen der unterschiedlichen Blütezeiten nie im selben Areal beobachten. Eine Verwechslung mit letzterer ist daher nicht möglich.
O. flavicans gehört zur O. bertoloniformis Gruppe und wird von Chalicodoma manicata bestäubt. Blütezeit Mitte März bis April.
Ophrys garganica E. Nelson ex O&E Danesch:
Diese heute der O. passionis Gruppe zugeordnete Sippe hat ihren Verbreitungsschwerpunkt am Mte. Gargano in Italien und konnte bisher nur vereinzelt auf den Inseln Korcula, Lastovo und am Festland im Bezirk Konavle südlich von Dubrovnik beobachtet werden. Die kräftige, bis 40 cm hohe Pflanze mit 5 oder mehr mittelgroßen Blüten und grünen Sepalen unterscheidet sich von der bei uns heimischen O. sphegodes hauptsächlich durch die meist bräunlich gefärbten, bis zu 9 mm langen aber 5 mm breiten Petalen. Der Bestäuber ist die Sandbiene Andrena carbonaria. Blütezeit: April.
Ophrys illyrica S&K Hertel:
Diese 2002 von der Insel Cres neu beschriebene Art unterscheidet sich nur wenig im Habitus von O. tommasinii, mit dem wesentlichen Unterschied, dass sie 4-5 Wochen später blüht und die Sandbiene Andrena pandellei als Bestäuber hat. Sie kommt ausschließlich in Istrien und den Inseln des Quarner vor. Wenn in diesem Gebiet O. tommasinii meist schon verblüht ist, beginnt O. illyrica gerade erst mit der Blüte. Ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Species tritt auch zutage, wenn man die Blüten mit Blitzlicht fotografiert: dabei spiegelt die deutlich konvexe Lippe stark.
Die Pflanze liebt Halbschatten von Pinienwäldern auf Kalk, ist fünf- bis mehrblütig mit grünem Perigon und erreicht eine Höhe von 40 cm. Die ca 10 mm breite und bis 12mm lange, braune Lippe ist kaum behaart, mit meist gelbem Rand und ziemlich bauchig, Das H-Mal ist mehr oder minder deutlich ausgeprägt. Blütezeit ab Mitte Mai.
Ophrys incubacea Bianca:
Dies ist eine der am häufigsten anzutreffenden Ophrys Arten im mediterranen Teil von Istrien und Dalmatien. Ihr Hauptver-breitungsgebiet ist aber westmediterran. Der Bestäuber ist die Sandbiene Andrena morio. Früher wurde sie als O. atrata Lindley bezeichnet, bis man herausfand, dass dies nach den geltenden Nomenklaturregeln ein nomen illegitimum ist.
Die sehr attraktive, kräftige Pflanze erreicht eine Höhe von 50 cm mit 5 -10 mittelgroßen Blüten. Das Perigon variiert von grün bis rötlich-braun. Die schwarzbraune , am Rande besonders dicht behaarte, gehöckerte Lippe ist bis zu 15 mm lang, das weiß-bläulich-glanzende Mal ist mehr oder minder H-förmig und erstreckt sich über die ganze Länge der Lippe. O. incubacea bildet häufig attraktive Hybriden mit O. bertolonii.
Blütezeit: Ende März bis Anfang Mai.
Ophrys insectifera L.:
Diese uns wohlbekannte Fliegenragwurz fehlt in den mediterranen Teilen Istriens und Dalmatiens, kommt aber im nördlicheren Teil Istriens nicht selten vor. Auch Hybriden mit der Spinnenragwurz O. sphegodes konnten wir dort beobachten.
Ophrys lacaite Lojacono :
Diese prächtige Ophrys wurde lange Zeit für einen Italien-Endemiten gehalten, bis einige Vorkommen vor wenigen Jahren auf der Insel Vis entdeckt wurden. An anderen Stellen in Dalmatien kommt sie aber nicht vor. In Italien erstreckt sich das Verbreitungsareal von Sizilien bis zum Monte Gargano. Die Art wurde auch früher für ausgestorben angesehen bzw. wegen der späten Blütezeit von Orchideenliebhabern einfach nicht gefunden. Als Bestäuber steht mittlerweile die Langhornbiene Eucera eucnemidea fest.
Die nicht besonders kräftige Pflanze ist meist wenigblütig und wird an die 30 cm hoch. Die Hochblätter überragen die Blüten deutlich, das Perigon ist weißlich-gelblich bis leicht rosa überhaucht, wobei die Petalen stark verkürzt sind. Am auffallendsten ist natürlich die überwiegend gelbe trapezförmige, bis 18 mm lange Lippe mit dem kräftigen, nach oben stehenden Anhängsel. Das winzige Mal auf ebenfalls trapezförmigem, braunem Untergrund verschmilzt fast mit dem gleichfarbigen Basalfeld. Insgesamt variieren die Blüten dieser Art nur wenig, was darauf hindeutet, dass wir es mit einer phylogenetisch alten, bereits stabilisierten Art zu tun haben. Blütezeit auf Vis bereits Anfang Mai.
Ophrys leucadica Renz:
Diese eher zierliche Ophrys aus dem Verwandtschaftskreis von O. fusca kommt hauptsächlich in Südgriechenland vor und erreicht über die ionischen Inseln auf den dalmatinischen Inseln Hvar und Vis ihre nördlichste Ausdehnung. Der Bestäuber ist die Sandbiene Andrena flavipes.
Die wenigblütigen, selten über 25 cm hohen Pflanzen finden sich an sonnigen Straßenrändern und in der niedrigen Macchie. Das Perigon ist gelblich-grün, die bis 16mm lange, bauchig nach unten geneigte braune Lippe mit einem meist gelblichen Rand besitzt 2 Seitenlappen und hat unten in der Mitte statt des Anhängsels eine mehr oder minder deutliche Einkerbung. Von der Narbengrube erstreckt sich eine deutlich erkennbare, schwielige Furche bis zum Mittelteil der Lippe, wodurch das bläulich-violette W-Mal zweigeteilt wird. Die ganze Lippe ist kurz behaart, was als Orientierungshilfe bei der Pseudokopulation des Bienenmännchens dient, die ja wie bei allen anderen Ophrys vom O. fusca Typ mit dem Kopf nach unten erfolgt. Dadurch werden die Pollinien bei den Kopulationsbewegungen an das Hinterteil der Biene geheftet. Blütezeit in Hvar und Vis: Mitte März bis April.
Ophrys liburnica J.Devillers-Terschuren&P.Devillers:
Die kräftige und vielblütige Pflanze kann bis 50 cm hoch werden. Der relativ lockere Blütenstand ist mit bis zu 15 kleinen Blüten besetzt, die in ihrer Gestalt und dem H-Mal der Lippe aber an unsere Spinnenragwurz, O.sphegodes, erinnern: Das Perigon ist meist grün, kann aber auch weißlich bis rosa gefärbt sein. Die ganzrandige Lippe ist am Rande mehr oder minder behaart und besitzt manchmal auch einen gelben Rand. Durch Übergänge im Erscheinungstyp zu verwandten Sippen wie. z.B. O. tommasini oder O. araneola ist eine Bestimmung oftmals schwierig. Der Bestäuber ist noch nicht eindeutig bekannt. Wir konnten jedoch erstmalig eine männliche Sandbiene Andrena nigroaenea, dem Bestäuber unserer O.sphegodes in Mitteleuropa, bei dem Versuch einer Kopulation auf der Insel Lastovo fotografisch festhalten. Sollte sich dieser Befund bestätigen lassen, müsste diesen Pflanzen der Artrang aberkannt werden, wie ja schon viele Autoren vermuten. Das Verbreitungsareal erstreckt sich über ganz Dalmatien und deren Inseln, auf Istrien wird sie vermutlich von O. sphegodes und O. tommasinii abgelöst.
O. liburnica ist vermutlich die frühestblühende Ophrys in Dalmatien. Sie kann auf den Inseln Mitte März schon in voller Blüte angetroffen werden.
Ophrys medea J.Devillers-Terschuren&P.Devillers:
Der Artrang dieser zweifellos mit O. untchjii nahe verwandten und auch zur selben Zeit und oft nebeneinander blühenden Art wird von vielen Orchidophilen angezweifelt, unterscheidet sie sich doch von letzterer nur durch das weiß-rosa-violette Perigon. In Istrien scheint sie sich mit O. untchjii mit grünlichem Perigon leicht zu vermischen. Andererseits wächst nur diese Sippe auf der Insel Cres, während auf Krk beide und Mischformen wie in Istrien vorkommen. Vor kurzem konnten wir O. medea in reiner Form auch 150km weiter südlich auf der Insel Vir und am Festland bei Nin finden, während O. untchjii dort fehlt. Die Frage der taxonomischen Stellung beider Sippen kann wohl erst mit phylogenetischen Untersuchungen und/oder der Identifizierung von Bestäuberbienen geklärt werden. Blütezeit: Anfang bis Mitte Mai.
Ophrys montenegrina (H. Bauman und Künkele) J.Devillers-Terschuren&P.Devillers:
Diese stattliche , vielblütige und bis 50 cm hohe Art wurde 1988 aus Montenegro erstmals beschrieben und stellt im Raum südlich von Dubrovnik im März und April die dominante
Ophrys Sippe dar. In Griechenland wird sie von O. mammosa, mit der sie einige Merkmale teilt, abgelöst. Ihre Verbreitung weiter nördlich ist fraglich. Der Bestäuber ist unseres Wissens nicht bekannt.
Die Sepalen der relativ großen Blüten sind grünlich-weiß, wobei die untere Hälfte der lateralen Sepalen oft einen rötlichen Farbstich aufweist. Die länglichen Petalen zeigen meist einen bräunlich-roten Farbton und die dunkelbraun-samtige , bis über 15mm lange Lippe ist mehr oder weniger gehöckert und fast immer dreilappig . Ein charakteristisches Merkmal ist das sich von der Lippengrundfarbe unterscheidende, wesentlich heller gefärbte Basalfeld. Blütezeit: Mitte März- Anfang Mai.
Ophrys neglecta Parlatore:
Erst in jüngster Zeit wurde erkannt, dass die aus dem gesamten Mittelmeerraum bekannte O. tenthredinifera eigentlich eine ganze Gruppe von eigenständigen Arten umfasst. Davon ist die ursprünglich aus Süditalien beschriebene O. neglecta der einzige Vertreter in Dalmatien südlich von Dubrovnik im Distrikt Konavle. Dort kommt sie besonders in Zypressenwäldchen gemeinsam mit O. cephalonica und O. montenegrina vor. Weiter nördlich wird man die schöne, zierliche Art vergeblich suchen. Als Bestäuber sind die Langhornbienen Eucera clypeata und E. orianensis beobachtet worden.
Die Pflanzen werden kaum höher als 25 cm , die recht kleinen Blüten zeigen die typisch weißlich-rosa am Ende abgerundeten Sepalen der ganzen Verwandtschaft. Die meist nur 10mm große am Rande stark behaarte, gehöckerte und öfter trapezförmige Lippe weist einen rehbraunen Grundton mit einer breiten gelblichen Randzone auf. Charakteristisch ist jedoch ein kräftiges Haarbüschel, das von der Zone rund um das Anhängsel wegsteht. Das kleine, weiß umrandete, dunkle Mal ist relativ unbedeutend und erstreckt sich um das Basalfeld . Blütezeit: Ende März bis Anfang Mai.
Ophrys rhodostephanae J.Devillers-Terschuren&P.Devillers:
Diese 2004 neu beschriebene Ophrys wurde früher O. cornuta bzw. O. oestrifera bezeichnet, bis sorfältige Literaturstudien zeigten, dass diese Namen an unterschiedlichen und weit voneinander entfernten Lokalitäten vergeben wurden. Dadurch war eine allgemeine taxonomische Zuordnung wegen der doch nicht unerheblichen Variabilität dieser „Art“ fast nicht möglich. In Dalmatien und dessen Inseln, aber nicht in Istrien und am Quarner, blüht diese nun O. rhodostephane genannte, sehr attraktive und relativ großblütige Art von Ende März bis Anfang Mai. Erst 2009 wurde eine neue Art südlich von Dubrovnik entdeckt, die erst im Anschluß an O. rhodostephane blüht und wesentlich kleinblütiger ist. Es könnte sich dabei um O. cerastes var. minuscula handeln, die aber bisher nur aus Griechenland bekannt war. Die Untersuchungen dazu laufen aber erst an. Der Bestäuber ist in beiden Fällen unbekannt.
Die Pflanze fällt durch ihr kräftig rot-violettes Perigon auf und wird an die 30 cm hoch; sie trägt bis zu 7 relativ große Blüten. Die dunkelbraune, schmalbauchige Lippe wird bis zu 15 mm lang und trägt 2 behaarte, spitze und bis zu 10mm lange „Hörner“ und ein relativ kräftiges Anhängsel. Die gelblich-weiße Malzeichnung kann sehr stark variieren. In manchen Jahren kann sie in der sonnenbestrahlten Macchie auf Kalkuntergrund recht häufig vorkommen.
Ophrys sicula Tineo:
Die meist wenigblütige, zierliche und ziemlich variable Pflanze mit kleinen Blüten weist ein zentral-ostmediterranes Verbreitungsareal auf und ist in ganz Dalmatien verbreitet, in manchen Jahren sogar häufig. In sonnigen und besonders steinigen Böden mit nur niederem Buschwerk ist sie oft die einzige noch gedeihende Ophrys Art. Entsprechend der weiten Verbreitung sind drei verschiedene kleine Sandbienenarten der Gattung Andrena als Bestäuber identifiziert worden. Die Pseudokopulation der Männchen erfolgt wie bei z.B. O. leucadica und O. sulcata mit dem Kopf nach unten, d.h. die Pollinien werden an den Hinterleib der Biene geheftet.
Nur auf der Insel Cres konnte die größere Verwandte, Ophrys phryganae, mit deutlich nach unteren geknickter Lippe beobachtet werden, die hier nicht abgebildet ist.
O. sicula wird im Allgemeinen 10-25cm hoch und nur in Ausnahmefällen höher. Das laterale Sepalum des grünlich-weißen Perigons ist nach vorn in Richtung Lippe geneigt; die am unteren Ende dreilappige Lippe (8-13mm lang) ist nicht geknickt und steht häufig waagrecht nach vorn. Charakteristisch ist der breite gelbe Rand. Das sich über die ganze Länge der Lippe erstreckende, dunkle Mal setzt sich auch im unteren, zentralen Lippenabschnitt zipfelförmig fort. Das sich um die Mitte der Lippe ersteckende, silbrig-bläulich glänzende Mal hat eine mehr oder minder deutliche W-Form. Blütezeit April bis Anfang Mai.
O. sphegodes Miller:
Dies ist die über weite Teile Mitteleuropas verbreitende und auch in Österreich vorkommende Spinnenragwurz. Sie fehlt sensu strictu im mediterranen Teil Istriens und Dalmatiens und wird dort durch ähnliche Taxa wie z.B. O. liburnica in Dalmatien und O. tommasinii in Istrien und Dalmatien ersetzt bzw. hat sich mit diesen vermischt. Diese Vorgänge wurden offensichtlich auf Grund der sehr langen Blütezeit von O. sphegodes erleichtert. So kann man schon ab Anfang März in Istrien im Raum von Buzet bis Buje blühende Pflanzen finden, die Übergänge zu O. tommasinii und auch O. archipelagi darstellen könnten. Einige Abbildungen dienen als Beispiel dafür. Die genauen, taxonomischen Zusammenhänge müssen noch geklärt werden. Es ist bemerkenswert, dass and ausgesprochen meditteranen Küstengebieten Istriens noch keine blühenden Ophrys angetroffen werden.
In nördlicheren Gebieten Istriens kommt jedoch auch O. sphegodes, wie wir sie aus Mitteleuropa kennen vor.
Ophrys sulcata J.Devillers-Terschuren&P.Devillers:
Das Verbreitungsareal dieser eigentlich nur auf submediterranen Kalkböden wachsenden Art erstreckt sich von Nordspanien über Frankreich bis nach Istrien. Dort ist sie aber nicht häufig. Als Bestäuber konnten 3 Vertreter von Sandbienen der Gattung Andrena beobachtet werden. Die Pseudokopulation der Männchen erfolgt wie bei z.B. O. leucadica und O. sicula mit dem Kopf nach unten, d.h. die Pollinien werden an den Hinterleib der Bienen geheftet.
Die recht niedrige Pflanze wird ca. 20 cm hoch und ist wenigblütig. Das laterale Sepalum des grünlich-weißen Perigons ist nach vorn in Richtung der dreilappigen, dunklen und deutlich behaarten Lippe geneigt. Charakteristisch für die Art ist der deutliche, furchige Einschnitt von der fast farblosen Lipenbasis gegen die Lippenmitte. Das dadurch zweigeteilte, bläuliche Mal weist wieder die W-Form ähnlich O. leucadica auf. Blütezeit recht spät: von Mitte an.
Ophrys tetraloniae Teschner:
Diese sehr spät blühende Art weist einen lockeren langgestreckten Blütenstand auf, doch die Blüten haben auf den ersten Blick eine starke Ähnlichkeit mit unserer Hummelragwurz, Ophrys holoserica. Sie war ursprünglich nur von Flyschstandorten in Istrien bekannt, konnte aber später auch in Italien in den Abruzzen nachgewiesen werden. Kürzlich wurden im Hinterland von Split in Mitteldalmatien auch auf Flyschuntergrund praktisch identische Populationen entdeckt, die aber meist ein hell-lila Perigon im Gegensatz zu dem meist reinweißen in Istrien aufweisen. Infolgedessen wurden diese Populationen in einer Publikation 2007 als O. holoserica ssp. laxiflora Zelesny & Kreutz genannt. 2009 konnte jedoch Prof. Hannes Paulus, Univ. Wien, in einem eindeutigen Experiment zeigen, dass ein bekannter Bestäuber (Eucera inulae) der O. tetraloniae aus Istrien auch sofort mit einer Pflanze aus dem Hinterland von Split kopulierte, eine zum Vergleich angebotene Pflanze von O. holoserica aber in keiner Weise beachtete. Damit ist ein Beweis erbracht, dass die Benennung von Zelesny & Kreutz zu Unrecht erfolgte. Als Bestäuber von O. tetraloniae aus Istrien sind Eucera inulae und E. fulvescens schon früher beobachtet worden.
Die bis zu 50 cm hohe Pflanze kann also ein weißes bis lila Perigon aufweisen, die ganzrandige bis leicht gehöckerte und am Rande deutlicher behaarte Lippe ist wesentlich kleiner als bei unserer Hummelragwurz. Blütezeit in etwa 400 m Höhe in Istrien und bei Split: Ende Mai-bis Juli.
Ophrys tommasinii Visiani:
Diese bis zu 40 cm hohe, mit bis zu 10 relativ kleinen Blüten gespickte Art mit Ähnlichkeit zu unserer Wespenragwurz O. sphegodes kommt von Istrien bis Süddalmatien vor und repräsentiert die nächste Generation unter den frühblühenden Arten des O. sphegodes Komplexes. Ihre Abgrenzung zu Vertretern der 1. Blüten-Generation wie O. araneola und O. liburnica fällt oft schwer. Der Bestäuber ist bis dahin unbekannt.
Die Pflanze kann unter guten Bedingungen bis zu 40 cm hoch werden. Das Perigon ist dem unserer Wespenragwurz, O. sphegodes sehr ähnlich. Die meist ganzrandige am Rande öfters gelbrandige oder auch gewellte dunkle Lippe ist meist stark bauchig, im Gegensatz zu unseren mitteleuropäischen Sippen. Das Mal ist wiederum ziemlich ähnlich. Blütezeit (März) April bis Anfang Mai.
Ophrys untchjii (M. Schulze in Ascherson & Grabner) P. Delforge:
Die aus Österreich wohlbekannte Hummelragwurz ( O. holoserica Greuter oder O. fuciflora Moench) kommt im mediterranen Teil Istriens und Dalmatiens nicht vor. Die ähnliche Ragwurz O. untchjii hat eine bewegte und kontroversielle Geschichte. Sie wird nur auf Istrien und auf einigen Inseln des Quarner angetroffen. Die „reine“ O. untchjii hat ein grünes, die sehr ähnliche, O. medea genannte Art, besitzt ein weißes- bis violettes Perigon Am häufigsten sind aber Mischformen, in deren Perigon immer eine grünliche Komponente erkennbar ist, im Gegensatz zu unserer heimischen Hummelragwurz. Es könnte sehr wohl sein, dass beide Formen denselben Bestäuber haben, der allerdings noch unbekannt ist. Demnach wären beide Arten lediglich als geographische Rassen der Art O. untchjii einzustufen. Die Angelegenheit wird aber noch weiter dadurch kompliziert, dass neuerdings überlegt wird, ob nicht die ursprünglich aus Mittelitalientalien beschriebene O. serotina ebenfalls mit O. untchjii identisch sein könnte. Von allen 3 „Arten“ gibt es jedoch noch keine eindeutigen Befunde über Bestäuber! Eine Angabe für O. untchjii ist Eucera clypeata. Diese noch ungeklärten Befunde zeigen deutlich, dass es auch für Hobby- Orchidophile noch viel zu entdecken gibt.
Die Pflanze wird meist nicht über 30 cm hoch und besitzt wenige mittelgroße Blüten. Die Lippe kann neben der bei uns vorherrschenden rundlichen auch oval-längliche, „scolopaxoide“, Formen annehmen, das Mal ist dem unserer Hummelragwurz aber durchaus ähnlich. Blütezeit: Mitte Mai - Juni
Ophrys zinsmeisteri A. Fuchs & Ziegenspeck (pro.hybr):
Diese früher O. quarneri genannte, kräftige und farbenprächtige Ophrys kommt ausschließlich in küstennahen Bereichen von Süd-Istrien und den Inseln des Quarner vor. Sie hat eine merkwürdige Ähnlichkeit mit gewissen Pflanzen des Mte. Gargano, für die aber ein Name bisher fehlt. Ein Bestäuber wurde von uns fotografiert, aber eine Identifizierung ist noch ausstehend.
Die Pflanze hat ein kräftig rot-violett gefärbtes Perigon, relativ ähnlich zu O. rhodostephanae, die Lippe ist aber deutlich breiter und weniger lang gehörnt. Das Mal ist ebenfalls komplex. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht auch zu dem Lokalendemiten O. pharia von der Insel Hvar.

